Saisonplan

Flotte winterfest machen: Der Saisonplan für Transport­unternehmen

Die Winterreifenpflicht beginnt am 1. November, die Vorbereitung aber viel früher. Wer erst Ende Oktober Bestand aufnimmt, bestellt aus dem Restsortiment und steht in der Werkstattschlange. Dieser Plan zeigt Monat für Monat, was zu tun ist, welche Werte zählen und wie eine Dokumentation aussieht, die im Schadensfall hält.

SEPBestand & Bestellung OKTUmrüstung 1.11.Pflichtbeginn

Hubtrac Reifen Austria, Graz · Aktualisiert: Oktober 2026 · Lesedauer ca. 10 Minuten

Lkw-Flotte winterfest machen – Saisonplan für Transportunternehmen
1.11.
Pflichtbeginn LkwWinterreifen für N2 und N3
Sept.Bestand aufnehmen, Bedarf ermitteln, bestellen
< 7 mmRestprofil im September = Wechsel vor der Saison
Kältesenkt den Reifendruck, bei TBR in Bar deutlich stärker als beim Pkw
Kettenpassend zur Dimension und einmal geübt
Dokuschützt den Halter, wenn es zum Schaden kommt

Zeitplan

Der Saisonzeitplan: wann was zu tun ist

Der Engpass im Winterreifengeschäft ist selten das Budget, sondern die Verfügbarkeit bestimmter Größen ab Mitte Oktober und freie Werkstatttermine. Wer die Reihenfolge einhält, kauft nach Bedarf statt nach Restbestand. Die aktuelle Phase ist markiert:

Bestand aufnehmen und Bedarf ermitteln

Alle Fahrzeuge durchmessen, Fahrzeugklassen und Einsatzgebiete festhalten, Fehlmengen je Größe und Achsposition auflisten.

Bestellung platzieren

Jetzt sind Größen und Profile noch frei wählbar. Lieferzeiten gleich in die Werkstattplanung einrechnen.

Umrüsten und Werkstatttermine abarbeiten

Die Montage über den ganzen Monat verteilen statt alles in die letzte Woche zu legen. Parallel Kettensätze prüfen und Sommerreifen einlagern.

Fahrer unterweisen und dokumentieren

Kurzunterweisung zu Kettenmontage, Abfahrtskontrolle und Wintersperren. Teilnahme schriftlich festhalten.

Pflichtbeginn

Ab jetzt gilt für N2 und N3 die generelle Winterreifenpflicht, unabhängig vom Wetter. Schneeketten müssen mitgeführt werden.

Zwischenkontrollen

Nach dem ersten Kälteeinbruch den Druck an allen Positionen nachmessen und die Profilentwicklung stichprobenartig prüfen. Fahrzeuge mit knappem Profil nachwechseln.

Die Markierung „JETZT“ richtet sich nach dem heutigen Datum. Die rechtlichen Grundlagen stehen im Beitrag Winterreifenpflicht für Lkw und Busse, der Überblick für alle Fahrzeugklassen unter Winterreifenpflicht in Österreich.

Inventur

Bestandsaufnahme: sechs Felder pro Fahrzeug

Eine brauchbare Aufnahme braucht genau sechs Felder je Fahrzeug. Mehr macht die Liste unübersichtlich, weniger lässt Entscheidungen offen. Einmal sauber angelegt, ist sie ab dem zweiten Jahr nur noch eine Aktualisierung.

01FahrzeugklasseN2, N3, M2 oder M3. Sie bestimmt das Ende der Pflicht: 15. April oder 15. März.
02EinsatzgebietNur Inland oder auch Deutschland. Davon hängen Kennzeichnung und betroffene Achsen ab.
03Reifengröße je AchseGrundlage für die Bestellung und für passende Kettensätze.
04Restprofil je PositionGemessen, nicht geschätzt. Entscheidet über Wechsel oder Weiterlaufen.
05KennzeichnungNur M+S oder auch Alpine-Symbol, wichtig für Fahrten nach Deutschland.
06DOT-NummerProduktionswoche und Jahr. Eine alte Karkasse sieht man nicht am Profil.

Wie man die DOT-Nummer und alle anderen Angaben auf der Flanke liest, erklärt der Beitrag Reifenkennzeichnung lesen.

Profiltiefe

Profiltiefe messen und den Winter vorausplanen

Bei Lkw und Bussen sind im Winter mindestens 5 mm (Radial) bzw. 6 mm (Diagonal) vorgeschrieben. Gemessen wird in der Hauptrille, an mindestens drei Punkten über den Umfang und jeweils außen, in der Mitte und innen. Es zählt der niedrigste Wert, und bei Zwillingsbereifung wird jeder Reifen einzeln gemessen. Der innere wird am häufigsten vergessen. Alle Details stehen unter Mindestprofiltiefe.

Die entscheidende Frage im September lautet: Reicht das Profil bis zum 15. April? Der Rechner schätzt das ab:

5-mm-Grenze erreicht in etwa

3,8 Monaten

Knapp

Das reicht voraussichtlich nicht bis 15. April. Wechsel vor oder früh in der Saison einplanen.

Abrieb je Achse, Profil und Einsatz sehr unterschiedlich. Den Wert aus den eigenen Messungen der Vorsaison ableiten.

Die Septemberregel

Alles unter 7 mm im September ist ein Kandidat für den Wechsel. Zwei Millimeter Reserve klingen großzügig, reichen im Fernverkehr aber oft nur für einen Teil der Saison. Ein Wechsel im Oktober lässt sich planen, einer im Januar nicht.

Achsposition

Achsposition: Gesetz ist das Minimum, nicht die Empfehlung

Winterreifen sind keine einheitliche Kategorie. Jede Achse stellt eigene Anforderungen, und eine falsche Bereifung fällt im Winter schneller auf als im Sommer.

Lenkachse

Längsrillen für Spurstabilität und Wasserableitung. Entscheidet bei Schneematsch über die Lenkbarkeit.

Pflicht in DE (über 12 t)

Antriebsachse

Offene Blockprofile mit vielen Lamellen für Traktion beim Anfahren an Steigungen.

Pflicht in AT und DE

Trailerachse

Ausgelegt auf Tragfähigkeit und niedrigen Rollwiderstand, bestimmt aber das Bremsverhalten des ganzen Zuges mit.

Empfohlen

Wer regelmäßig über Alpenpässe oder in höhere Lagen fährt, sollte nach Einsatz bereifen, nicht nach dem gesetzlichen Minimum. Eine Übersicht nach Achsposition gibt es unter Lkw-Reifen und Sattelzug-Reifen.

Physik

Luftdruck bei Kälte: warum TBR-Reifen mehr verlieren als der Pkw

Kühlt die Luft im Reifen ab, sinkt der Druck, und zwar anteilig zum Betriebsdruck. Deshalb lässt sich die Pkw-Faustregel nicht auf Lkw übertragen: Ein Nutzfahrzeugreifen läuft mit einem Vielfachen des Pkw-Drucks, der Verlust in Bar fällt also deutlich größer aus. Ein im Oktober bei 15 Grad richtig befüllter Lkw steht beim ersten Frost messbar unter Soll, ganz ohne Leck. Probieren Sie es aus:

Druck im Lkw-Reifen bei Frost

8,3 bar

−0,7 bar
Lkw-Reifen−0,7 bar
Pkw (2,5 bar)−0,2 bar

Berechnung über die absolute Temperatur und den absoluten Druck (Gasgesetz), Näherungswert ohne Diffusionsverlust.

  • Immer kalt messen. Nach der Fahrt ist der Druck durch die Walkarbeit erhöht. Wer dann Luft ablässt, fährt am nächsten Morgen mit Unterdruck.
  • Nach dem ersten Kälteeinbruch die ganze Flotte nachmessen, nicht nur Stichproben.
  • Sollwerte aus der Achslasttabelle des Herstellers, nicht ein Pauschalwert für alle Positionen.
  • Innere Zwillingsreifen mitprüfen. Sie sind schwer erreichbar und deshalb die häufigsten Ausreißer.
  • Unterdruck kostet doppelt: längerer Bremsweg und mehr Diesel, siehe Kraftstoff sparen durch richtigen Reifendruck.

Schneeketten

Schneeketten: richtige Dimension und einmal geübt

Für N2, N3, M2 und M3 gilt vom 1. November bis 15. April die Pflicht, Schneeketten für mindestens zwei Antriebsräder mitzuführen. Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen:

  • Die Dimension. Ein Kettensatz passt zu einer bestimmten Reifengröße. Wurde die Bereifung seit dem Kauf geändert, passt der Satz womöglich nicht mehr. Ein unpassender Satz erfüllt die Vorschrift nicht.
  • Die Übung. Bei minus fünf Grad, im Dunkeln und mit Handschuhen am Pannenstreifen ist kein guter Moment für den ersten Versuch. Eine Probemontage im Hof, einmal pro Fahrer und Saison, spart im Ernstfall eine halbe Stunde.

Für Busbetriebe

Die Winterreifenpflicht für M2 und M3 endet am 15. März, die Kettenpflicht erst am 15. April. Wer im März auf Sommerreifen wechselt, muss die Ketten trotzdem an Bord lassen. Mehr dazu unter Busreifen.

Werterhalt

Karkassen schützen: der Winter entscheidet über die Runderneuerung

Bei Lkw-Reifen ist die Karkasse der eigentliche Wert. Eine gut gepflegte Karkasse lässt sich runderneuern, und das senkt die Kosten pro Kilometer deutlich. Der Winter ist dabei die kritische Zeit: Streusalz, Schlaglöcher und Bordsteinkontakt im Schnee greifen genau die Flanke an, die später über die Runderneuerung entscheidet.

  • Flanken sichten auf Schnitte, Beulen und Scheuerstellen.
  • Ungleichmäßigen Abrieb dokumentieren. Er deutet meist auf Achsgeometrie oder Luftdruck hin, nicht auf den Reifen.
  • Runderneuerungs-Kandidaten rechtzeitig abnehmen, statt bis zur gesetzlichen Grenze zu fahren.
  • Sommerreifen richtig einlagern: trocken, kühl, dunkel und nach Herstellervorgabe stehend oder liegend.

Haftung

Fahrerunterweisung und Dokumentation, die im Schadensfall hält

Dieser Abschnitt ist nicht optional. Wird eine Fahrt mit vorschriftswidriger Bereifung zugelassen, trifft das nicht nur den Fahrer, sondern auch den Halter. Im Schadensfall kommen Regressforderungen und Probleme mit der Kaskoversicherung dazu.

Kurzunterweisung vor Saisonbeginn20 Minuten reichen: Fristen, Profiltiefen, Kettenmontage, Wintersperren. Teilnehmerliste unterschreiben lassen.
Abfahrtskontrolle mit festem SchemaEin Formular auf Papier oder in der Telematik. Frei formulierte Kontrollen sind später nicht verwertbar.
Befunde weiterleiten und nachverfolgenEine Meldung ohne dokumentierte Reaktion ist schlechter als gar keine.
Belege archivierenReifenwechsel und Kettenprüfung je Fahrzeug und Saison ablegen. Das ist der Nachweis im Streitfall.

Zum Ausdrucken

Die Winter-Checkliste für den Fuhrpark

Zum Abhaken am Bildschirm oder ausgedruckt in der Werkstatt. Der Fortschritt wird oben angezeigt.

Winter-Checkliste

0 / 16

Vor der Saison, je Fahrzeug

Tägliche Abfahrtskontrolle

Nach dem ersten Kälteeinbruch

FAQ

Häufige Fragen zur Wintervorbereitung im Fuhrpark

Wann sollte die Umrüstung auf Winterreifen spätestens abgeschlossen sein?

Vor dem 1. November, wenn die Pflicht für N2 und N3 beginnt. In der Praxis sollte die Montage bis Ende Oktober fertig sein, weil Werkstattkapazität und Reifenverfügbarkeit in der letzten Oktoberwoche am knappsten sind.

Ab welchem Restprofil sollte ein Lkw-Reifen vor der Saison gewechselt werden?

Die gesetzliche Grenze liegt bei 5 mm für Radialreifen. Als Planungswert haben sich 7 mm im September bewährt, weil die Differenz im Fernverkehr oft innerhalb einer Saison abgefahren ist.

Warum sinkt der Reifendruck im Winter, obwohl kein Leck vorliegt?

Die Luft im Reifen zieht sich bei Kälte zusammen, und der Druck fällt anteilig zum Betriebsdruck. Bei Lkw-Reifen mit hohem Druck ist der Verlust in Bar deutlich größer als beim Pkw. Dazu kommt der normale Diffusionsverlust.

Muss bei Zwillingsbereifung jeder Reifen einzeln geprüft werden?

Ja. Innerer und äußerer Reifen laufen unterschiedlich ab und verlieren unterschiedlich viel Druck. Der innere ist schwerer zugänglich und deshalb der häufigste Ausreißer.

Wie oft sollte der Luftdruck im Winter kontrolliert werden?

Neben der täglichen Sichtkontrolle empfiehlt sich eine wöchentliche Kaltmessung an allen Positionen sowie eine zusätzliche Kontrolle nach jedem deutlichen Temperatursturz.

Was passiert, wenn der Kettensatz nicht zur montierten Reifengröße passt?

Dann ist die Mitführpflicht nicht erfüllt. Die Ketten müssen zu den tatsächlich montierten Reifen passen. Nach einer Größenänderung muss der vorhandene Satz geprüft werden.

Muss in Deutschland auch die Lenkachse winterbereift sein?

Bei Lkw über 12 t müssen in Deutschland bei winterlichen Verhältnissen die Antriebsachsen und die vorderen Lenkachsen Reifen mit Alpine-Symbol haben. In Österreich reicht gesetzlich eine Antriebsachse.

Welche Dokumentation zählt im Schadensfall?

Eine nachweisbare Fahrerunterweisung, Abfahrtskontrollen nach festem Schema und Werkstattbelege zu Reifenwechsel und Kettenprüfung je Fahrzeug und Saison. Entscheidend ist, dass auf gemeldete Mängel eine dokumentierte Reaktion folgt.

Quellen

  • Kraftfahrgesetz 1967, § 102 Abs. 8a und Abs. 9
  • WKO, Bundesgremium Fahrzeughandel: Merkblatt „Winterreifenpflicht Lkw und Busse“
  • Straßenverkehrs-Ordnung (D), § 2 Abs. 3a
  • Herstellerangaben zu Kaltluftdruck und Achslasttabellen für TBR-Reifen

Stand: Oktober 2026. Die Werte für Luftdruck und Profil ersetzen keine Herstellerangabe für die konkret montierte Reifengröße. Alle Angaben ohne Gewähr.

Nächster Schritt

Bestandsaufnahme gemacht? Dann jetzt die Lücken schließen.

Schicken Sie uns Ihre Liste mit Fahrzeugklassen, Größen und Fehlmengen. Wir prüfen Verfügbarkeit und Lieferzeit und schlagen die passende Bereifung je Achse vor. Beratung und Lieferung für Österreich und Deutschland aus Graz.