Winterreifenpflicht für LKW und Busse in ÖsterreichFristen, Achsen, Profiltiefe, Schneeketten und Strafen – was ab 1. November gilt
Für schwere Nutzfahrzeuge gibt es in Österreich keine „Winterreifen nur bei Schnee"-Regel. Ab 1. November zählt der Kalender, nicht das Wetter – auch bei 15 Grad und trockener Autobahn.
Fahrzeugklasse wählen – gilt die Pflicht heute?
Lkw N2 und N3: Winterreifen und Schneeketten vom 1. November bis 15. April. Busse M2 und M3: Winterreifen bis 15. März, Schneeketten bis 15. April. Pkw und Kfz bis 3,5 t: Winterreifen nur bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen.
Winterreifen
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Schneeketten mitführen
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Gilt für Österreich nach § 102 Abs. 8a KFG. Ausnahmen siehe Kapitel 07.
Hubtrac Reifen Österreich · Lager Graz · Lesedauer ca. 8 Minuten · Stand Oktober 2026
In Österreich müssen Lkw über 3,5 t (N2, N3) vom 1. November bis 15. April und Busse (M2, M3) vom 1. November bis 15. März Winterreifen tragen – unabhängig vom Wetter, mindestens an allen Rädern einer Antriebsachse, mit mindestens 5 mm Profil (Radial). Zusätzlich sind vom 1. November bis 15. April Schneeketten für zwei Antriebsräder mitzuführen. Verstöße kosten bis zu 5.000 Euro.
Generelle statt situative Winterreifenpflicht
Die meisten Ratgeber erklären die Regel für Pkw – und genau die gilt für schwere Nutzfahrzeuge nicht. Der Unterschied liegt in einem einzigen Wort:
Pkw und Kfz bis 3,5 t
Situativ
Winterreifen sind von 1. November bis 15. April nur vorgeschrieben, wenn tatsächlich Schnee, Schneematsch oder Eis auf der Fahrbahn liegt.
Lkw N2, N3 · Busse M2, M3
Generell
Nach § 102 Abs. 8a KFG gilt die Pflicht im gesamten Zeitraum – egal ob Schnee liegt oder die Sonne scheint. Entscheidend ist allein das Datum.
Der Klassiker in der Disposition: „Es liegt ja noch kein Schnee." Für einen 40-Tonner ist das ab dem 1. November kein Argument – bei der Kontrolle zählt nur der Kalender.
Welche Fahrzeuge betroffen sind: N2, N3, M2, M3
Maßgeblich ist die Fahrzeugklasse im Zulassungsschein – nicht der Aufbau und nicht der Einsatzzweck.
Auch davon abgeleitete Fahrzeuge fallen darunter. Für den Anhänger oder Auflieger selbst schreibt das KFG keine Winterreifen vor – die Pflicht hängt an der Antriebsachse des Zugfahrzeugs. Sinnvoll ist eine wintertaugliche Trailerbereifung trotzdem, denn Bremsweg und Seitenführung hängen am ganzen Zug.
Zeiträume: Reifen und Ketten enden nicht gleichzeitig
Bei Bussen endet die Reifenpflicht einen Monat vor der Kettenpflicht. Genau das wird in der Praxis am häufigsten übersehen.
Ein Reisebus darf also ab 16. März wieder Sommerreifen fahren, muss aber noch vier Wochen lang Ketten an Bord haben.
Wie viele Winterreifen braucht ein LKW?
Das Gesetz verlangt Winterreifen „zumindest an den Rädern einer Antriebsachse". In der Kontrolle heißt das:
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Einzelbereifung
Antriebsachse mit einem Reifen pro Seite: zwei Winterreifen.
4
Zwillingsbereifung
Beide Reifen jedes Rades zählen: vier Winterreifen.
1 Achse
Mehrere Antriebsachsen
Es genügt eine vollständig winterbereifte Antriebsachse.
Lenk- und Nachlaufachsen sind gesetzlich nicht erfasst. Das ist aber das Minimum, keine Empfehlung: Auf der Lenkachse entscheidet das Profil über die Lenkbarkeit im Schneematsch. Wer regelmäßig über Pässe oder in die Obersteiermark fährt, sollte nach Einsatz bereifen, nicht nach Gesetz. Welches Profil auf welche Achse gehört, erklärt der Beitrag Lenkachse, Antriebsachse, Trailerachse.
Achtung bei Fahrten nach Deutschland: Dort müssen bei winterlichen Verhältnissen auch die Reifen der vorderen Lenkachse wintertauglich sein. Eine Übersicht weiterer Länder finden Sie unter Winterausrüstungspflicht für LKW in Europa.
Kennzeichnung und Mindestprofiltiefe
Als Winterreifen gilt in Österreich ein Reifen mit Schnee- und Matschkennzeichnung auf der Flanke. Anerkannt sind:
Reifen mit der Verwendungsbestimmung „spezial" (für Straße und Gelände) können die Pflicht ebenfalls erfüllen, wenn sie entsprechend gekennzeichnet sind. Zusätzlich muss das Profil stimmen:
Die 5 mm sind keine Empfehlung, sondern die Grenze zur Vorschriftswidrigkeit. Ein Reifen mit 6 mm im November unterschreitet sie im Fernverkehr sehr wahrscheinlich noch im selben Winter. Wie man richtig misst, steht im Beitrag zur Mindestprofiltiefe bei LKW-Reifen. Den Unterschied zwischen M+S und Alpine-Symbol – wichtig im Grenzverkehr – erklärt M+S oder Alpine-Symbol.
Schneekettenpflicht: die zweite, eigene Pflicht
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Antriebsräder – für so viele müssen geeignete Schneeketten an Bord sein, vom 1. November bis 15. April, für N2, N3, M2 und M3. Das gilt auch bei Zwillingsbereifung und auch dann, wenn Winterreifen montiert sind.
Ausgenommen sind
- Fahrzeuge, bei denen Ketten bauartbedingt nicht montiert werden können
- Fahrzeuge, die bestimmungsgemäß nur auf schneefreien Straßen fahren
- Busse M2 und M3 im Kraftfahrlinienverkehr
„Mitführen" heißt nicht „montieren" – aber die Ketten müssen zur tatsächlich montierten Reifengröße passen. Ein Kettensatz für die alte Dimension im Staukasten erfüllt die Vorschrift nicht.
Ausnahmen von der Winterreifenpflicht
Die Ausnahmen sind eng gefasst und spielen im gewerblichen Güterverkehr kaum eine Rolle:
- Probe- und ÜberstellungsfahrtenFahrten mit Probe- oder Überstellungskennzeichen.
- EinsatzfahrzeugeFahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Bundesheer, bei denen Winterreifen bauartbedingt oder wegen ihres Einsatzes nicht möglich oder nicht zweckmäßig sind.
- Reifen „spezial"Fahrzeuge, die bauartbedingt oder wegen ihres Einsatzzwecks mit Reifen der Verwendungsbestimmung „spezial" ausgerüstet sind.
Ein beladener Sattelzug im normalen Transportbetrieb fällt unter keine dieser Ausnahmen.
Strafen bei fehlender Winterbereifung
Stufe 1
Organstrafverfügung
Bei geringfügigen Verstößen direkt an Ort und Stelle.
Stufe 2
Bis 5.000 Euro
Geldstrafe im Verwaltungsstrafverfahren.
Stufe 3
Weiterfahrt untersagt
Bei Gefährdung der Verkehrssicherheit sind Zwangsmaßnahmen möglich.
Wirtschaftlich wiegt meist Stufe 3 am schwersten: Ein Fahrzeug, das an der Kontrollstelle stehen bleibt, kostet Standzeit, Umdisposition und im Zweifel eine verpasste Ladezeit. Dazu kommt die Versicherung – wer bei Winterverhältnissen vorschriftswidrig unterwegs ist und einen Schaden verursacht, muss mit Regress und Problemen bei der Kaskodeckung rechnen.
In fünf Schritten zur regelkonformen Flotte
- Fahrzeugklassen erfassen AugustZulassungsscheine durchgehen und pro Fahrzeug N2, N3, M2 oder M3 festhalten – davon hängt das Enddatum ab: 15. März oder 15. April.
- Bestellung platzieren SeptemberWintergrößen werden zum Saisonstart knapp. Wer im September bestellt, hat Auswahl statt Restposten.
- Restprofil messen OktoberAn den Antriebsachsen messen, nicht schätzen. Alles unter 7 mm im Oktober ist ein Wechselkandidat, weil die 5-mm-Grenze sonst mitten im Winter fällt.
- Kennzeichnung dokumentieren OktoberM+S oder Schneeflocke auf jeder Antriebsachsposition prüfen und im Fahrzeugprotokoll festhalten.
- Ketten passend machen vor 1. NovemberPro Fahrzeug ein Satz für zwei Antriebsräder, passend zur aktuell montierten Größe – und einmal trocken aufziehen, damit der Fahrer im Ernstfall nicht zum ersten Mal übt.
Abfahrtskontrolle im Winter
- Winterreifen an allen Rädern einer Antriebsachse
- Bei Zwillingsbereifung: vier Winterreifen
- M+S oder Schneeflocke auf der Flanke lesbar
- Profil mindestens 5 mm (Radial) bzw. 6 mm (Diagonal)
- Schneeketten für zwei Antriebsräder, passend zur Größe
- Reifendruck kalt geprüft und angepasst
Eine ausführliche Saisonplanung für Disponenten finden Sie im Beitrag Flotte winterfest machen.
Fünf Irrtümer, die bei Kontrollen teuer werden
- „Ohne Schnee keine Winterreifen"Gilt nur für Pkw. Für N2, N3, M2 und M3 zählt ausschließlich der Zeitraum.
- „Busse brauchen Winterreifen bis 15. April"Die Reifenpflicht endet bei Bussen am 15. März. Bis 15. April gilt nur noch die Kettenpflicht.
- „4 mm Profil reichen"Das ist der Pkw-Wert. Lkw und Busse über 3,5 t brauchen 5 mm (Radial) bzw. 6 mm (Diagonal).
- „Ketten sind ja im Fahrzeug"Nur wenn sie zur aktuell montierten Reifengröße passen. Der Satz vom Vorgängerreifen zählt nicht.
- „Lenkachse reicht als Winterachse"Das Gesetz verlangt eine Antriebsachse. Winterreifen nur vorne erfüllen die Pflicht nicht.
Häufige Fragen zur Winterreifenpflicht für LKW
Gilt die Winterreifenpflicht für LKW auch ohne Schnee?
Ja. Für die Klassen N2, N3, M2 und M3 gilt eine generelle Pflicht. Zwischen 1. November und 15. April (bei Bussen bis 15. März) müssen Winterreifen montiert sein, egal wie Wetter und Fahrbahn sind.
Wie viele Winterreifen braucht ein LKW mindestens?
Winterreifen sind an allen Rädern mindestens einer Antriebsachse vorgeschrieben. Bei Einzelbereifung sind das zwei Reifen, bei Zwillingsbereifung vier.
Welche Mindestprofiltiefe gilt für LKW-Winterreifen?
5 mm bei Radialreifen und 6 mm bei Diagonalreifen. Die 4 mm für Pkw gelten für schwere Nutzfahrzeuge nicht.
Muss ich Schneeketten mitführen, wenn Winterreifen montiert sind?
Ja. Die Kettenpflicht gilt zusätzlich zur Reifenpflicht, vom 1. November bis 15. April, für mindestens zwei Antriebsräder. Ausgenommen sind unter anderem Busse im Kraftfahrlinienverkehr und Fahrzeuge, bei denen Ketten bauartbedingt nicht montiert werden können.
Bis wann gilt die Winterreifenpflicht für Busse?
Für Busse der Klassen M2 und M3 endet die Winterreifenpflicht am 15. März. Schneeketten müssen aber bis 15. April mitgeführt werden.
Welche Strafe droht ohne Winterreifen?
In leichten Fällen eine Organstrafverfügung, im Verwaltungsstrafverfahren bis zu 5.000 Euro. Bei Gefährdung der Verkehrssicherheit kann die Weiterfahrt untersagt werden.
Braucht der Auflieger auch Winterreifen?
Gesetzlich nicht – die Pflicht hängt an der Antriebsachse des Zugfahrzeugs. Wintertaugliche Trailerreifen sind trotzdem zu empfehlen, weil Seitenführung und Bremsverhalten vom ganzen Zug abhängen.
Reichen Winterreifen nur auf der Lenkachse?
Nein. Das Gesetz verlangt Winterreifen an den Rädern mindestens einer Antriebsachse. Winterreifen ausschließlich auf der Lenkachse erfüllen die Pflicht in Österreich nicht.
Quellen
- Kraftfahrgesetz 1967, § 102 Abs. 8a und Abs. 9
- Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung (KDV), § 4 – Mindestprofiltiefen
- oesterreich.gv.at – Winterreifenpflicht und Winterausrüstung
- Wirtschaftskammer Österreich, Bundesgremium Fahrzeughandel – Merkblatt „Winterreifenpflicht LKW und Busse"
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
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